Fragenkatalog

Fragen an Dr. Kremer-Schillings / Bauer Willi

1) Deine Hauptkritik richtig sich an VerbraucherInnen, die tiergerechte und umweltschonende Landwirtschaft fordern, die damit einhergehenden Preise aber nicht bezahlen wollen oder können. ‘Nicht wollen’ ist die eine Sache, wie kann aber einem ‘nicht-können’ begegnet werden? Anders formuliert: Wie siehst du etwa den Zusammenhang von etwa Hartz VI oder anderen staatliche Leistungen wie Kindergeld und Lebensmittelpreisen?

2) In den letzten Jahren sind die Forderungen nach einem bedingungslosen Grundeinkommen immer stärker geworden. Dieses Jahr zur Bundestagswahl haben wir eine Partei, deren einziger Programmpunkt darin besteht, das bedingungslose Grundeinkommen in Deutschland einführen zu wollen. Mal ganz abgesehen von der Frage nach der Machbarkeit: was würde das bedingungslose Grundeinkommen für die Landwirtschaft bedeuten? Könnte es vielleicht eine Chance für Kleinbetriebe sein?

3) Neue Technologien und Automatisierung verändern bisher ausgeübte Berufe, gleichzeitig entwickeln sich ganz neue Berufsfelder. Das, was mein Bruder in der landwirtschaftlichen Fachschule gelernt hat, unterscheidet sich krass von dem, was mein Vater lernen musste. Ich vermute mal, dass Weiterbildungsseminare hier nur bedingt weiterhelfen bzw. nur bedingt machbar sind. Gibt es noch andere Möglichkeiten, auf die Veränderung des Berufsbilds LandwirtIn zu reagieren? Hast du Beispiele?

4) Ich musste auch an Strategien denken, die eine größere Gemeinschaft miteinbeziehen. Das können auf ganz kleiner Ebene zum Beispiel Milchautomaten sein. Wir haben hier schon einige in der Region, in Uetze zum Beispiel. Milchautomaten scheinen zu ermöglichen, dass ErzeugerInnen ihre Milch direkt verkaufen, ohne großen zusätzlichen Aufwand. AbnehmerInnen wären dann wohl hauptsächlich BewohnerInnen des Dorfes oder der Gemeinde – und die müssten das Angebot dann auch annehmen. Deswegen sind die Milchautomaten für mich ein Beispiel für Gemeinschaftsstrategien auf kleinerer Ebene. Ist bäuerliche Landwirtschaft zu einer Gemeinschaftsaufgabe geworden? Was versteht man überhaupt unter „bäuerlicher Landwirtschaft“?