Bauer Willi

Am 10.09. bekamen die Butterberge Besuch von Dr. Kremer-Schillings, Landwirt, Blogger und Autor aus dem Rheinland. Bekannt geworden ist er als „Bauer Willi“ und als solcher reist Dr. Kremer-Schillings nun schon seit 2 Jahren durch Deutschland. Er spricht in Vorträgen, Podiumsdiskussionen und Talkshows mit VerbraucherInnen, PolitikerInnen und anderen Landwirten über das Image der Landwirtschaft in den Medien. Bauer Willi stellt Fragen: Was sind die Aufgaben von LandwirtInnen und JournalistInnen? Wie kann man trotz emotional aufwühlender oder aufbereiteter Themen in einen konstruktiven Dialog miteinander treten? Mit VerbraucherInnen aber auch mit denjenigen, die etwas näher am politischen Hebel sitzen? Er versucht zu differenzieren und zu vermitteln, dass angesichts der vielfältigen Wirtschaftsformen von „der Landwirtschaft“ kaum die Rede sein könne.

Vor allem erzählt Bauer Willi Geschichten. Das ist seine Strategie, so begegnet er sowohl wütenden Fragen als auch purem Unverständnis. Es gehe darum, einfach ein Bild davon zu vermitteln, was man eigenlich so macht, als Landwirt. Dass es neben dem Alltagsstress und trockener Marktwirtschaft auch durchaus poetische Momente gebe – etwa solche, in denen man einfach in der Natur wäre. Und dass die meisten LandwirtInnen ihren Beruf durchaus noch als Berufung verstünden. Die Gefahr, dass seine Erzählungen nicht in eine Agrarnostalgie abgleiten besteht jedoch nicht – zum einen ist er selbst noch aktiver Landwirt und zum anderen würde ihm das sein Publikum kaum durchgehen lassen. So lässt sich auch eine Wortmeldung nach der Veranstaltung im Zehntspeicher in Edemissen lesen:

Ein Landwirt aus Edemissen schien von den Vorschlägen Bauer Willis nicht überzeugt. Er betonte die Notwendigkeit einer fairen Darstellung der Landwirtschaft in den Medien. Eine solche Imagekampagne müsse professionell und von überregionaler Reichweite durchgeführt werden um überhaupt gegen negative wie positive Klischees anzukommen. Kleine Aktionen wie der „Tag des Offenen Hofes“ würden da kaum eine Veränderung bringen können. Außerdem verwies er wie auch andere auf Versäumnisse im Bereich Bildung und Schule.

Das sich an den Vortrag anschließende Gespräch versuchte ebenfalls, kritische Fragen zu stellen und über die üblichen Diskussionsmechanismen hinaus zu denken. Ein Auszug aus dem Fragenkatalog:

1) Deine Hauptkritik richtig sich an VerbraucherInnen, die tiergerechte und umweltschonende Landwirtschaft fordern, die damit einhergehenden Preise aber nicht bezahlen wollen oder können. Nicht wollen ist die eine Sache, was aber kann gegen ein „nicht-können“ getan werden? Anders formuliert: Wie siehst du den Zusammenhang von etwa Hartz VI oder anderen staatliche Leistungen wie Kindergeld und Lebensmittelpreisen?

2) In den letzten Jahren sind die Forderungen nach einem bedingungslosen Grundeinkommen immer stärker geworden. Dieses Jahr zur Bundestagswahl haben wir eine Partei, deren einziger Programmpunkt darin besteht, das bedingungslose Grundeinkommen in Deutschland einführen zu wollen. Mal ganz abgesehen von der Frage nach der Machbarkeit: was würde das bedingungslose Grundeinkommen für die Landwirtschaft bedeuten? Könnte es eine Chance für Kleinbetriebe sein?

3) Neue Technologien und Automatisierung verändern bisher ausgeübte Berufe, gleichzeitig entwickeln sich ganz neue Berufsfelder. Das, was mein Bruder in der landwirtschaftlichen Fachschule gelernt hat, unterscheidet sich krass von dem, was mein Vater lernen musste. Ich vermute mal, dass Weiterbildungsseminare hier nur bedingt weiterhelfen bzw. nur bedingt machbar sind. Gibt es noch andere Möglichkeiten, auf die Veränderung des Berufsbilds LandwirtIn zu reagieren? Hast du Beispiele?

4) Ich musste auch an Strategien denken, die eine größere Gemeinschaft miteinbeziehen. Das können auf ganz kleiner Ebene zum Beispiel Milchautomaten sein. Wir haben hier schon einige in der Region, in Uetze zum Beispiel. Milchautomaten scheinen zu ermöglichen, dass ErzeugerInnen ihre Milch direkt verkaufen, ohne großen zusätzlichen Aufwand. AbnehmerInnen wären dann wohl hauptsächlich BewohnerInnen des Dorfes oder der Gemeinde – und die müssten das Angebot dann auch annehmen. Deswegen sind die Milchautomaten für mich ein Beispiel für Gemeinschaftsstrategien auf kleinerer Ebene. Ist bäuerliche Landwirtschaft zu einer Gemeinschaftsaufgabe geworden? Was versteht man überhaupt unter „bäuerlicher Landwirtschaft“? Der Begriff taucht ja auch in einigen Wahlprogrammen auf.

Presseberichte zur Veranstaltung im Pressespiegel